Querschnittsthemen

Querschnittsthemen besitzen für mehrere Stadt-Land-Plus Verbundvorhaben Relevanz. Im Gegensatz zu den Projektclustern sind sie somit von übergreifender Bedeutung und werden von allen Vorhaben bei den Forschungsaktivitäten berücksichtigt.

Fragestellungen zu den Querschnittsthemen werden kontinuierlich reflektiert und nach Bedarf angepasst. Die gewonnenen Erkenntnisse der Querschnittsthemen sind Bestandteil der Handlungsempfehlungen für Kommunen und Grundlage der weiteren wissenschaftlichen Befassung.

Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse fördern – Attraktive Regionen gestalten

Das im Grundgesetz verankerte Postulat der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ist zentraler Leitgedanke der Raumentwicklung und des Ausgleichs zwischen Stadt und Land. Er schließt die Debatten über Gerechtigkeit und Werte ein und muss zwingend von allen Projekten der Fördermaßnahme mitgedacht werden. Eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land muss auf einen „Ausgleich räumlicher und struktureller Ungleichgewichte“ (§2 Abs. 2 ROG) nicht nur zwischen sondern auch innerhalb von Regionen hinwirken – u.a. im Rahmen von Ausgleichsmechanismen. Dabei muss die strategische Zielsetzung nicht abstrakt bleiben, sondern im Kontext konkreter Maßnahmen zielführend diskutiert werden. Stadt-Land-Beziehungen sind kein Nullsummenspiel - sie lassen sich erfolgreich gestalten, wenn alle Beteiligten plausibel einen Nutzen daraus ziehen. Das Credo muss immer lauten: Gemeinsam stärker, nachhaltiger, innovativer, effektiver und sozialer. Dies kann gerade bei spezifischen, komplexen Fragestellungen leicht ins Hintertreffen geraten. Geeignete Bewertungskriterien für das Maß der Gleichwertigkeit sowie für gerechtes und verträgliches, nachhaltiges Wachstum sind zu vereinbaren.

Regionale Nachhaltigkeitsziele verfolgen

Die globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Agenda 2030 der Vereinten Nationen sind ein international anerkanntes Leitbild für die Nachhaltigkeit, in das sich auch die Transformation der Städte, ländlichen Räume und ihrer Wechselbeziehungen einfügt. Auch die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie 2016 greift die Kernindikatoren der SDGs auf. Jedoch besteht ein hoher Bedarf für methodischen wie Erfahrungsaustausch zu den Möglichkeiten und Grenzen der Operationalisierung nachhaltiger Entwicklung in spezifischen Stadt-Land-Regionen, z. B. zur Verwendung geeigneter Indikatoren. Es wird erwartet, dass die Verbundvorhaben für spezifische Fragestellungen hier Impulse und Erkenntnisse einbringen, die zusammen mit dem Querschnittsvorhaben zu generellen Bausteinen zusammengefasst und in die relevanten politischen Gremien eingespeist sowie mit interessierten Stakeholdern ausgetauscht werden können.

Mechanismen für stadtregionale Entwicklungsprozesse ausbilden

Die etablierten Regulierungs- und Steuerungsgrundsätze – seien sie formalisiert oder soziale Normen im Alltag – fokussieren häufig auf einen abstrakten administrativen Raum, der die stadt-regionalen Beziehungen unzureichend würdigt und einbindet. Neue Instrumente, Anreize und Steuerungsansätze gilt es für nachhaltige Stadt-Land-Partnerschaften zu erproben und zu implementieren. Dabei hat Stadt-Land-Zusammenarbeit ganz wesentlich zur Entwicklung von Regional-Governance-Strukturen beigetragen, da sie regelmäßig vorgegebene administrative Grenzen und Strukturen überwinden muss. Dies gilt in besonderem Maße, wenn auch Akteure der Wirtschaft eingebunden werden. Zusätzlich wird regionales Handeln durch den institutionellen Rahmen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene geprägt, weshalb überörtliche und ressortübergreifende Perspektiven in der Debatte einzubinden sind. Die Innovation und Fortentwicklung solcher Strukturen ist ohne entsprechende Vorerfahrung oftmals sehr zeitaufwändig. Dabei kann ein Erfahrungsaustausch sowohl zu den methodischen Ansätzen wie auch zu den transdisziplinären Herausforderungen und Herangehensweisen sehr hilfreich sein. Es wird erwartet, dass diese Fragestellung in mehreren Projekten relevant wird.

Digitalisierung – Gemeinsame Chancen für Stadt und Land ergreifen

Digitalisierung und digitale Infrastruktur werden in zunehmendem Maße alle Lebensbereiche erfassen. Dies gilt nicht zuletzt für Planungs- und Beteiligungsprozesse. Es gilt zu verhindern, dass Digitalisierung und digitale Infrastruktur Disparitäten zwischen städtischen und ländlichen Räumen verstärken. Sie sollten als Katalysatoren für mehr Gemeinsamkeit und Interessenausgleich dienen, indem sie Monitoring, Management- und Governance-Instrumente verbessern. Zukunftsorientierte Regionen brauchen Digitalisierungsmaßnahmen, die sektorübergreifend verstanden und sinnvoll für die intelligente Vernetzung eingesetzt werden. Insgesamt ist das Schaffen gemeinsamer Informations- und Entscheidungsgrundlagen unter Berücksichtigung der Chancen und Grenzen der Digitalisierung für die regionale Entwicklung ein zentrales Querschnittsthema vieler Verbundprojekte.

Interne Kommunikation und Transfer verbessern – Verstetigung erzielen

Die Erfahrungen anderer Fördermaßnahmen zeigen, dass Kommunikationsdefizite zwischen Partnern mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund die Projektarbeit ohne klare Kommunikationsstrategie erheblich beeinträchtigen können. Dies spricht dafür, hier frühzeitig in den Erfahrungsaustausch zu treten. Von Projektstart an soll die Art und Weise der Verstetigung von Prozessen und Strukturen unterstützt werden. Dies gilt für die beteiligten Projektregionen aber auch mit Blick auf den Wissenstransfer und Anwendung der Ergebnisse in der Breite deutschlandweit. Übertragbarkeit soll gewährleistet werden und ein Austausch zu dem „wie“ unterstützt werden. Diese Frage wird zunächst in Treffen der Projektkoordinator*innen sowie über die Fördermaßnahme hinweg zunehmend intensiv in der individuellen Begleitung der einzelnen Projekte thematisiert.